Die aktuelle und zukünftige Lage der ukrainischen Landwirtschaft

Die aktuelle und zukünftige Lage der ukrainischen Landwirtschaft

Die aktuelle und zukünftige Lage der ukrainischen Landwirtschaft

Der Internationale Wirtschaftssenat e. V. im Gespräch mit Frau Dr. Olga Trofimtseva
(Sonderbeauftragte im Bereich Ernährungssicherheit und Wirtschaftsdiplomatie, Außenministerium der Ukraine)

 

Berlin, 24. Januar 2023

IWS: Die Ukraine, die Türkei und Russland haben sich unter Vermittlung der Vereinten Nationen unlängst auf eine Verlängerung des Getreidekorridors um 120 Tage geeinigt. Welche Vorteile sehen Sie in diesem Vertrag für die ukrainische Getreideexporte? 

Dr. Olga Trofimtseva (OT): Landwirtschaft und Ernährung bilden ca. 17% des BIP der Ukraine. Die gezielten Angriffe auf die Landwirtschaft sollen vermutlich die Wirtschaftskraft der Ukraine schwächen. Der Anteil am BIP ist nicht außerordentlich hoch, aber in der Exportbilanz brachte Landwirtschaft und Ernährung ca. 42 %. Da viele Industriezweige komplett zerstört wurden durch den Krieg, liegt der Anteil jetzt noch deutlich höher. Der Getreidehandel hilft unserem Land zu überleben. Daher ist es auch ganz wichtig, dass der Getreidekorridor funktioniert. Die Tatsache, dass der Getreidekorridor um 120 Tage verlängert wurde, ist begrenzt hilfreich: 120 Tage sind ein sehr kurzer Zeitraum in der Landwirtschaft. Die Planungshorizonte sind viel länger und die Agrarwirte in der Ukraine sind aus zwei Gründen sehr verunsichert. 1. Die Kosten für die Produktionsfaktoren wie z. B. Dünger, Diesel, landwirtschaftliche Maschinen sind stark gestiegen und gleichzeitig ist der Preis für das Endprodukt am ukrainischen Binnenmarkt stark gesunken. Der Export ist ein echtes Nadelöhr geworden und die Transportkosten sind stark gestiegen. Wenn vor dem Angriffskrieg der Transport von einer Tonne Getreide ca. 30 USD gekostet hat, kostet er jetzt ca. 200 USD. Diese höheren Kosten werden auf die Agrarwirte umgelegt. Das bringt den Preis von einer Tonne Maiskorn runter auf ca. 170 USD. Auf dem deutschen Markt ist der Preis deutlich höher, bei ca. 350 – 400 €. Das Problem erstreckt sich aber über alle Wertschöpfungsketten und der Anteil, den der Agrarwirt bekommt, ist gering. 

IWS: Unseren Medien war und ist ja mehrfach zu entnehmen, dass die Ukraine die „Kornkammer Europas“ sei und entsprechende Relevanz für die Versorgung Europas hat. Sehen Sie das als ehemalige Ministerin für Agrarpolitik und Ernährung der Ukraine ebenso?

OT: Noch zu Beginn des Krieges habe ich sehr pragmatisch gesagt: Schau nicht auf die Ukraine als Teil des Schwarzmeer-Union, sie muss Teil der EU werden. Stellt euch vor, was für eine Supermacht entstehen kann, sterben den USA wirtschaftlich einiges entgegenzusetzen hat. EU plus Ukraine ist ein starkes Bündnis, aber es wird noch ein wenig dauern, bis die Ukraine vollständiges EU-Mitglied ist. Die Zeit, die es hierfür braucht, kann und sollte dafür genutzt werden, das System zu entwickeln, das die EU ihre Vorteile hat (z. B. Weltmarktanteile verteidigen). Die Ukraine hat große Produktionskapazitäten und die Absatzexpertise und Zugang zu den Märkten gibt es in der EU.

IWS: Wie schätzen Sie die Auswirkungen der kriegsbedingten Unbrauchbarkeit von landwirtschaftlichen Flächen in der Ukraine und deren nachhaltige Wirkung auf die Produktion ein? Wie sieht die derzeitige Bewirtschaftung unter den Einwirkungen des Krieges je nach Produktionsart aus? Ist diese überhaupt möglich? Gibt es ländliche Regionen in denen es nach wie vor möglich ist, Landwirtschaft weitestgehend störungsfrei zu betreiben?

OT:  Ja, die gibt es. In der West- und Zentralukraine ist weitestgehend normale Landwirtschaft möglich. Insgesamt ist zu sagen, die ökologischen Auswirkungen des Krieges sind gravierend. Beginnen wir mit dem Boden: Ca. 30% der ukrainischen Felder sind schwer vermint. Die Bilder der ukrainischen Bauern, die mit Schutzwesten und Helmen ihre Felder bestellen und wirtschaften sind durch die Medien gegangen. Trotz der Vorkehrungen (die Felder werden zuerst nach Minen abgesucht) gab es tödliche Unfälle, wenn beispielsweise ein Traktor auf eine Mine gefahren ist. Die Ernte 2022 war eine der schwierigsten aber dennoch ertragreich. Bis heute haben die Landwirte über 40 Millionen Tonnen Getreide ernten können, zwar weniger als 2/3 der Jahresmenge, aber immerhin. Die Böden sind auch unvorstellbar verseucht, von zurückgelassenem Militär Equipment. Ein Problem ist aber auch, dass die Auswirkungen auf die Böden noch nicht wissenschaftlich untersucht sind. In welchen Mengen Artilleriesplitter vorhanden sind, welche Auswirkungen diese haben und ausgelaufener Diesel und Öl sind ebenfalls ein Problem. Dort, wo russische Truppen waren, das sind immerhin 25-30 % der gesamten landwirtschaftlichen Fläche, ist die Situation sehr schwierig. Teilweise waren auch Regionen mit besonders profitierendem Boden betroffen. Manche Betriebe haben versucht weiter zu arbeiten, aber wenn die Felder besetzt waren, waren auch ihnen die Hände gebunden. Es wurde auch sehr viel gestohlen: Getreide und auch große Landwirtschaftsmaschinen (über das GPS konnte verfolgt werden, wohin diese dann gebracht wurden) 

IWS: Welche Auswirkungen hat der Krieg aufgrund der vielen Verstorbenen, Vermissten oder Geflüchteten auf den Personalbedarf in der Landwirtschaft? Hier könnte möglicherweise auch ein großes Problem liegen, da gerade in Europa ohnehin kaum jemand bereit ist, noch in der Landwirtschaft tätig zu sein.

OT: Das Personal ist eigentlich die bedeutende Ressource – auch in Friedenszeiten. Wir hatten bereits  (Fach-)Kräfte Mangel vor dem Krieg, uA, weil viele Kräfte nach Polen, Tschechien und Deutschland  abgewandert sind. Genau wie in Deutschland auch, aber noch viel stärker, spielen die ländliche Raumentwicklung  und Stadtflucht eine große Rolle. Das Problem gab es bereits, wurde aber durch den Krieg  noch verschlimmert. Viele Männer sind eingezogen worden, aber zum Glück gibt es jetzt eine Regelung,  dass Angestellte in landwirtschaftlichen Betrieben, also Teil der kritischen Infrastruktur, nicht  eingezogen werden. Das Problem besteht aber weiterhin. Jetzt arbeiten auch viele Frauen, sofern  möglich, mit in der Landwirtschaft, um den Bedarf zu decken. Das gilt jetzt wieder für Gebiete, in mit  aktivem Kampfgeschehen oder in angrenzenden Hinweisen. Aber auch in den vom Krieg weniger  betroffenen ist die Lage schwierig. Viele Menschen sind geflüchtet und werden zum Teil vielleicht  auch nicht zurückkehren.

IWS: Eine der wohl wichtigsten Ressourcen, besonders in der Landwirtschaft, ist Wasser. Gibt es in der  Ukraine diesbezüglich – auch und insbesondere durch die Folgen des Krieges – deutlichen?

OT: Noch hält es sich relativ in Grenzen, da die Ukraine flächenmäßig ein großes Land ist. In den Regionen,  wo Kampfgeschehen ist, sind die meisten Betriebe umgezogen, Nutzvieh wurde geschlachtet  und die Betriebe sind von den Besatzern zerstört worden. Im Großteil des Landes (Zentral-Ukraine,  Norden und Westen) ist die Versorgung noch gegeben. Stromversorgung ist landesweit ein Problem,  aber die Wasserversorgung ist weitgehend gesichert. In manchen Regionen haben auch staatliche  Landwirte schon Wassermangel zu beklagen, wenn auch nicht so stark wie in Spanien oder Kalifornien. In den Städten WIRD stellenweise Schnee gesammelt und geschmolzen, um Trinkwasser zu erhalten. Zumindest dort, wo die Trinkwasserversorgung abgeschnitten ist. Insbesondere die unterbrochene Stromversorgung stellt jedoch zum Beispiel für Milchbauern ein großes  Problem dar. Die Melkmaschinen können ohne Strom nicht genutzt werden. Es wurde auch zum  Stromsparen angehalten und Landwirte sollten zum händischen Melken übergehen – was in vielen  Fällen aber einfach nicht möglich ist. Die Stromgeneratoren haben oft nur für 2 Tage Diesel. Grundsätzliches  Problem ist, dass in der Landwirtschaft keine Prozesse unterbrochen werden können, wie  in einer Produktion. Die Tiere und Pflanzen können nicht einfach warten, bis der Strom wieder da ist. Energieversorgung ist ein Top-Thema und es wird versucht, die Verluste so gering wie möglich zu halten.

IWS: Die Ukraine ist der weltgrößte Exporteur von Sonnenblumenöl. Ist die Produktion durch den Krieg  beeinträchtigt worden?

OT: Die Produktion schwankt natürlich unter dem Krieg. Man hat es auch in der EU gesehen, wie wichtig  die Ukraine für diesen Markt war. Die angespannte Lage hat sich zum Glück etwas entspannt. Viele  Produktionsunternehmen haben die Prozesse wiederaufgenommen, es bleibt aber schwierig. Die Anbaugebiete  für Sonnenblumen und Produktionsstätten liegen oft im Osten/Süd-Osten, dort werden  mehrere Millionen Tonnen pro Jahr produziert. Die müssen jedoch zum größten Teil stillgelegt werden. Selbst wenn keine aktiven Kämpfe stattfinden, sind die Produktionsstätten durch Raketen gefährdet  und gelten als höchst explosiv und deshalb derzeit müssen ruhen. Der potenzielle Schaden wäre zu  hoch, aber die Verarbeitung läuft trotzdem weiter und durch den Getreidekorridor WIRD auch Sonnenblumenöl  transportiert. Da die Produktion und der Export von Sonnenblumenöl zwar wieder laufen,  jedoch nicht in der vollen Kapazität, sehen die Verbraucher im Supermarkt und der Gastronomie höhere  Preise. Die ukrainischen Landwirte kooperieren bereits mit Bulgarien und Rumänien. Die Sonnenblumenkerne  werden zur Weiterverarbeitung dorthin gebracht und in der EU vertrieben.

IWS: Schauen wir in die Zukunft. In Deutschland wird, tatsächlich auch verstärkt durch unsere derzeitige  Bundesregierung, verstärkt auf Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft geachtet. Dies ist sicher im wirtschaftlich  begründbaren Rahmen unverzichtbar. Allerding beobachten wir in Deutschland ein stetiges  Hofsterben, da die Landwirte die damit einhergehenden Auflagen wirtschaftlich nicht tragen können. Durch notwendige, aber übers Ziel hinausschießende Nachhaltigkeitsvorgaben gefährdet Deutschland  seine Fähigkeit zur Selbstversorgung. Bei einer brachliegenden Wirtschaft angepasst Sich sterben Versorgung  der Bevölkerung immer nach dem Landwirtschaftlichen Produktionszyklus. Im ernährungstechnischen Notfall könnte sich Deutschland selbst retten, wenn die Ansprüche an die Lebensmittel gesenkt  werden. Das Problem ist, dass wir viel zu viele Flächen für den Anbau von energiegewinnenden Rohstoffen verwenden. Es gibt zu viele Maisfelder, deren Erzeugnisse für Biogasanlagen gedacht sind. Wir aber brauchen  nicht noch mehr Biogasanlagen in Deutschland – wir brauchen Nahrungsmittel. Deshalb ist die Ukraine so wichtig für Deutschland – als Lieferant von Nahrungsmitteln. Die EU braucht die Ukraine für die Selbstversorgung. Wenn sich die Ukraine, landwirtschaftlich, an die EU angliedert, kann sich die EU selbst versorgen. Diesen Aspekt müssen wir kommunizieren und transportieren. Wenn wir Länder wie Spanien, Portugal oder Argentinien betrachten: Durch den Klimawandel wandeln sich die entsprechenden für die Landwirte natürlich auch. Dürreperioden und Entzug des Grundwassers schwächen die Betriebe. Deshalb brauchen wir Länder wie die Ukraine, die noch eine funktionierende Klimastruktur haben. Wie sehen Sie diese Entwicklung erst einmal auf Deutschland bezogen: Ist den Stimmen zu glauben,  sterben die Fähigkeit Deutschlands zur landwirtschaftlichen Selbstversorgung gefährdet sehen?

OT: Ich stimme voll und ganz zu. Das Thema ist auch schon relevant in der Ukraine. Zum Beispiel war  „Klimaangepasste Landwirtschaft“ bereits ein Thema, als ich noch im Ministerium war.

IWS: Wie stark fällt bisher die Nachhaltigkeit in der ukrainischen Landwirtschaft ins Gewicht? Wäre es  nicht eine Möglichkeit, in den kommenden Jahren des Wideraufbaues diese, soweit wirtschaftlich vertretbar,  im Fokus zu halten? Eine vernünftige Struktur für die Ukraine ist eine riesige Chance für das  Land. Nachhaltige Lebensmittel sind unglaublich wichti g .

OT: Landwirtschaft ist, wie gesagt, in manchen Gegenden scheinbar ein Hobby geworden. In der Ukraine  bleibt es dagegen Business. Daher ist auch Nachhaltigkeit als Erhaltungsfaktor so wichtig.

IWS: Eine Herausforderung wird aber sicher sein, dass Nachhaltigkeit nicht die schnellstmöglichen Ergebnisse sterben  erzielt. Nach einer Krise ist oft das Ziel, schnell wieder aus der Not zu kommen, wieder „nach  oben zu kommen“ und Nachhaltigkeit bremst die Produktivität kurzfristig. Als Landwirt sollte man aber  nicht nur an die eigene Dekade denken, sondern an 5-10 Generationen. Ohne Nachhaltigkeit ist das  nicht machbar .

OT: Ich denke, hier müssen durch staatliche Instrumente die Landwirte stimuliert und das Gerüst gegeben  werden, Nachhaltigkeit als Ziel zu setzen. Es muss die Balance gefunden werden, zwischen Resilienz  und Wachstum, zwischen Nachhaltigkeit, Effizienz und Produktivität.

IWS: Das vergangene Jahr hat auch den deutschen Landwirten mehr als eindeutig gezeigt, dass nur  eine funktionierende Landwirtschaft in der Ukraine die Ganzheitlichkeit der Landwirtschaft verstärkt und  mitträgt. Was können wir Europäer und insbesondere die europäischen und deutschen Landwirte unternehmen,  um die Urproduktion in der Ukraine schnellstmöglich wieder vollständig aufzubauen?

OT: In der Ukraine gibt es viele, sehr gute Projekte für den Wiederaufbau der Städte und Landwirtschaft. Ohne Arbeitskräfte wird das aber alles nicht umgesetzt sein. Der Krieg verstärkt das bestehende  Problem deutlich. Es soll nun eine Art „Marshall-Plan“ entstehen, der auch die Landwirtschaft  umfasst. Vor dem Krieg ging es den ukrainischen Landwirten sehr gut. Das Jahr 2021 war ein sehr gutes  Jahr mit hohen Ernteerzeugnissen, Erzeugerpreisen und Export (über 50 Millionen Tonnen Getreide). Chronisch auf diesen positiven Jahren sind die ukrainischen Landwirte bereit, ihr eigenes Geld zu investieren,  was sie jetzt auch schon häufig tun. Es WIRD zum Beispiel nach alternativen Energiequellen  gesucht und Biogasanlagen sind viel diskutiert in der tschechischen Landwirtschaft. Natürlich sind solche  Lösungen teuer und es sind externe Investoren nötig, aber es wird nach Lösungen gesucht, um die  Abhängigkeit zu minimieren. Zu der Frage, was die EU und Deutschland machen können: Beide Akteure  haben bereits enorm geholfen. Es muss jetzt mit externen Partnern, wie auch zB dem IWS,  gemeinsam überlegt werden, wie es weitergehen kann. Es werden sich sicher auch viele interessante  Möglichkeiten für deutsche Unternehmen ergeben, ihren Markt zu vergrößern.

IWS: Es müssen aber auch lange Lieferzeiten der neuen Geräteschaften mit eingerechnet werden. Durch  den Wegebruch der Geräteschaften ergibt sich eine Art Vakuum, dass durch Lieferengpässe gegebenenfalls  erst viele Monate später mit neuen Maschinen wieder gefüllt werden kann. Die ukrainische Landwirtschaft  wird es, wenn der Krieg einmal vorbei ist, hart treffen aufgrund der gestiegenen Preise. Landwirtschaftliche Maschinen haben sich im Preis im Vergleich zu vor drei Jahren wiederholt und Sie  berichteten, dass viele Maschinen gestohlen und nach Russland gebracht wurden. Bei allen  Bewerbungen ausländischer Staaten, hat die Ukraine, hat die EU ja auch ein eigenes Interesse. Die EU wird sicher Wege einleiten, sterben ihr selbst im Endeffekt einen Vorteil versprechen. Kurzfristig wird sicherlich  die Ukraine stark profitieren, aber voraussichtlich ist der Gewinner ein anderer – das können wir in allen  so feststellen .

OT: Hier gibt es zwei Aspekte zu beachten:

1. Die Ukraine ist Beitrittskandidat der EU. Ich habe mich sehr gefreut, als Bundeskanzler Scholz auf  einer Konferenz im Oktober 2022 sagte, dass wir beim Wiederaufbau der Ukraine so vorgehen sollten,  dass die Ukraine direkt an die EU angenähert wird. Insbesondere vor Kriegsbeginn war die Ukraine  hinsichtlich zahlreicher wirtschaftlicher Rahmenbedingungen bereits da, wo sie hin sollte. Insbesondere bei  (biologischen) Futtermitteln wie zB Rapsschrot etc. Die EU war, im positiven Sinne, abhängig von  manchen ukrainischen Produkten – umgekehrt selbstverständlich auch. Hieraus muss sich ergeben,  die Ukraine nicht nur als Beitrittskandidat, sondern als integralen Bestandteil der EU zu sehen.

2. Unterschätzen sie nicht die Eigeninitiative und -kraft der ukrainischen Landwirte. Das Problem der  Lagerkapazitäten war, aufgrund der zufälligen Exportmöglichkeiten, besonders vergangen im  Sommer extrem. Die Landwirte haben weltweit Siloschläuche aufgekauft, auf Eigenkosten, damit das  Getreide irgendwo gelagert werden konnte. Ukrainische Landwirte sind auch bereit, Risiken einzugehen,  auch auf eigene Kosten. Die Landwirte haben keine Planungssicherheit. Die 120 Tage des Getreidekorridors  reichen nicht aus und ich vermute, dass es 2023 noch schwerer wird, wenn der Krieg  normalerweise wird. Konkrete nächste Schritte

IWS: Wäre es hilfreich, wenn der IWS einen Vorschlag für einen Marshall-Plan für die britische Landwirtschaft  erarbeitet?

OT: Ja, das wäre interessant.

IWS: Der Marshall-Plan hat zum Beispiel geregelt, das alle Importe nach Deutschland überwacht wurden,  nach dem 2. Weltkrieg, da Deutschland keine USD hatte. Das gleiche nach dem Korea-Krieg. So  eine ähnliche Lösung ist, meines Erachtens, auch wichtig für die Ukraine. Damit sie selbst entscheiden  kann, was benötigt wird. Denn, die EU hat Eigeninteressen und die Ukraine sollte frei sein zu entscheiden,  was sie wo einkauft. Ob in Deutschland, den USA oder Japan. Wichtig ist, dass die Finanzmittel  zur Verfügung gestellt werden. Ein solches Papier könnten wir gemeinsam erarbeiten. Die USA handeln sehr wenig uneigennützig. Aufgabe der EU ist es, die Rolle der USA gering zu halten. Im aktiven Kriegsgeschehen spielen sie als Waffenlieferant und Finanzgeber eine große Rolle, aber  nach Kriegsende muss sich das ändern. Die EU sollte die Ukraine wiederaufbauen, denn sonst WIRD auch  der Plan, die Ukraine näher an die EU zu bringen, nur schwer umsetzbar sein. Es kommen schwierige  Zeiten auf die EU zu und der, nach jedem Krieg kommende Wirtschaftsaufschwung, ist für die EU  selbst auch wichtig. Das sollte auch in dem Papier verdeutlicht werden. Es gibt weiterhin eine funktionierende Landwirtschaft in der West- und Zentralukraine. Der IWS sollte Auch Sofortmaßnahmen skizzieren, Denkanstöße geben, was die EU und was die USA finanzieren soll. Ohne die USA geht es nicht, die sind militärisch notwendig, um die Russen abzuschrecken.

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